
Den ganzen Sommer über wird im dritten Stock unseres Geschäfts in der Walton Street eine kuratierte Auswahl von Isabelle Haymans Werken zu sehen sein. Wir haben kürzlich Isabelles Atelier besucht, um mehr über ihre Inspirationen und ihre Arbeitsweise zu erfahren.
Isabelle Hayman ist eine französische Künstlerin, die in Südlondon lebt und in ihrem Atelier in Wandsworth arbeitet. Ihr Werk ist vielschichtig und bewusst fließend. Es umfasst Tuschezeichnungen auf Papier, Ölgemälde, Mix-Media-Arbeiten, Stickereien, Textilien, Collagen sowie Handzeichnungen auf Vintage-Tellern. Anstatt sich auf ein einziges Medium festzulegen, lässt Isabelle jedes das nächste beeinflussen und schafft so ein Gesamtwerk, das intuitiv und zugleich tief durchdacht wirkt.

Textilien stehen im Mittelpunkt ihrer visuellen Sprache. Isabelle, die ursprünglich eine Ausbildung zur Textildesignerin absolvierte, lässt sich bis heute in ihrer Arbeit von ihren frühen Eindrücken aus den Bereichen dekorative Kunst, Mustergestaltung und Keramik leiten. Vintage-Bücher über dekorative Kunst, alte Landkarten, Tagebücher, Notizbücher und Stoffe, die sie im Laufe der Jahre gesammelt hat, bilden ein persönliches Archiv, das direkt in ihre Arbeit einfließt.
Ein typischer Tag in Isabelles Leben beginnt mit Ritualen und Disziplin. Als überzeugte Kaltwasserschwimmerin beginnt sie jeden Morgen das ganze Jahr über mit einem Bad in einem unbeheizten Pool. Das sei, sagt sie, die beste Möglichkeit, den Kopf frei zu bekommen, bevor sie im Studio ankommt. Ab diesem Zeitpunkt hängen das Tempo und die körperlichen Anforderungen des Tages von der jeweiligen Arbeit ab. Malerei füllt den Raum mit offenen Farbtuben, improvisierten Paletten aus alten Verpackungen und farbbeschmierten Lappen. Sie arbeitet im Stehen und bewegt sich dabei physisch um die Leinwand herum. Zeichnen hingegen erfordert einen langsameren Rhythmus, während sie an einem Tisch sitzt. Ihre Zeichnungen von Tanzenden sind spontan und ausdrucksstark. Sie entstehen mit schwungvollen Strichen und fließenden Bewegungen, während ihre großformatigen botanischen Tuschearbeiten sorgfältig geplant sind, wobei Bildsprache und Komposition im Voraus festgelegt werden.


Der Prozess steht im Mittelpunkt von Isabelles künstlerischem Schaffen. Sie arbeitet anhand von Skizzenbüchern – portugiesischen Notizbüchern, die sie auf Reisen mit sich führt, A5-Heften voller Zeichnungen mit japanischen Filzstiften sowie indischen Skizzenbüchern, die sie mitgebracht bekommt. Diese werden zu Referenzpunkten, wenn sie ein neues Werk beginnt, und prägen dessen Komposition und Stimmung. Größere Skizzenbücher sind Collagen gewidmet, sowohl als fertige Bilder als auch als Fundgrube für Formen und Motive. Isabelle wechselt oft zwischen intensiver, detailreicher Arbeit und Momenten der Spontaneität hin und her, wodurch sich beide Seiten gegenseitig erneuern. Ihre Ideen entwickeln sich ständig weiter, während sie Farben hinzufügt, entfernt und anpasst, um die richtige Balance zu finden. Der Schaffensprozess endet nicht an der Ateliertür. Er entfaltet sich nach und nach, geprägt von Beobachtung und Reflexion, bis sich das Werk als vollendet anfühlt.
Sie beschreibt ihre Arbeit als eine Sammlung von Geschichten, die in unterschiedlichen Maßstäben und mit verschiedenen Techniken erzählt werden. Manche entfalten sich in großformatigen, vielschichtigen Gemälden oder detailreichen Tuschezeichnungen. Andere sind zurückhaltender und nehmen auf Papier Gestalt an oder entstehen durch den spielerischen Einsatz von Stoff und Motiven auf wiederverwerteten Tellern. Kräftige Farben, auffällige Muster und grafische Formen finden sich überall wieder und sorgen für eine visuelle Einheitlichkeit über alle Medien hinweg.

Was kommt als Nächstes?
Für die Zukunft plant Isabelle eine neue Serie, die von einer kürzlichen Reise nach Apulien inspiriert ist. Ein Besuch im Museo Sigismondo Castromediano in Lecce mit seiner Sammlung antiker griechischer und apulischer Vasen hat sie zu einer Reihe von Tuschezeichnungen inspiriert, die sich an den kraftvollen, grafischen Formen der Volutenkrater orientieren. Wie immer geht die Arbeit weiter – geprägt von Reisen, Materialien und einer lebenslangen Leidenschaft für Muster.

